Die Mehlprimeln - in der Presse       

 

Wenn schon alt, dann bitte bissig

Kabarett Die Mehlprimeln zeigen in Monheim ihr neues Programm,

Es ist ein satirischer Rundumschlag mit den Themen Politik, Kreuzfahrt oder Altersheim

Von Eva Münsinger

 

Monheim ,,Ich mache euch den Sarrazin und sage euch, wo's langgeht!" Reiner Panitz geht gleich zu Beginn des Auftritts in der Monheimer Stadthalle in die Vollen. Provokativ hintergründig ironisch, aber auch leise und tiefsinnig. Die Brüder Panitz spielen in ihrem neuen Progmmm die gesamte Klaviatur ihrer 37- jährigen Kabaretterfahrung.

Dies wird auch im Titel des aktuellen Programms der Kabarettisten aus Kaisheim deutlich. Mit ,,Kurz vorm Gebiss" oder ,,Wie treibt man - so geht man" oder ,,Dumm gelaufen" oder ,,Wir zahlen zurück!" oder ,,Milliardenlöcher können nicht irren" ist der Rundumschlag quasi Programm.

 

lntegration über Döner und Pizza?

Im Stile eines Herrn Sarrazin hält Reiner Panitz den Deutschen bissig eine problembeladene Integrationspolitik vor Augen. Man tue ja schon viel: Gastarbeitern bekämen,,historische Bausubstanz" zum'Wohnen - und schon die Kinder hierzulande zeigten Willen zur Integration ihrer ausländischen Altersgenossen, indem sie Döner und Pizza äßen.

Mit viel Selbstironie schildern die beiden Brüder zudem das Leben als ,,Silberager". Natürlich freuen sie sich, dass auch im Publikum ihr geburtenstarker Jahrgang gut vertreten ist - und der quittiert die vielen treffsicheren Beschreibungen aus dem Alltag der ,,Happyenders" mit einem ebenso wissenden wie gelösten Lachen. Freilich ohne preiszugeben, ob man nun der Altrocker ist, der beim Motorradfahren in der Kurve die Hand vor den Mund halten muss, um nicht sein Gebiss zu verlieren. Witzig auch die Zukunftsvisionen einer Seniorengesellschaft, wo ,,in jedem siebten Überraschungsei ein Viagra versteckt ist" und damit die Chance bestehe, auch im hohen Alter noch einen Eisprung zu haben.

 

Die Schiffsreise ist billiger als ein Seniorenheim

Dietmar Panitz rechnet derweil unterhaltsam vor, dass es weniger kostet, seine letzten Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff zu verbringen als im Altersheim. Dass zudem der Komfort und die Versorgung auf der Aida um Welten besser -sind, versteht sich von selbst.

Große Themen wie Energiewende, Rauchverbot, Klimawandel werden scharfzüngig angerissen. Vor allem in den kleinen Geschichten und Gedichten treten die satirisch lyrischen Weltanschauungen der Brüder zutage.

Reiner Panitz ist ein wahrer Wortspieler und versteht es, seine Reime mit Gestik und Duktus liebevoll und unverwechselbar zu verkleiden.

Entspannend sind auch die musikalischen Zwischenspiele - Musikstücke aus verschiedenen Epochen und Kulturen, bei denen die Panitz-Brüder ihre Virtuosität auf gleich mehreren Instrumenten zeigen.

Insgesamt bietet das neue Prograrnm der Mehlprimeln zwei sehr unterhaltsame Stunden, die sicher nicht nur der Generation 50 plus Spaß machen,,wie der lang anhaltende Applaus des dann doch durchaus gemischten Monheimer Publikums bestätigte.

 

Altbewährtes Kabarett mit neuen ldeen: Dle Mehlprimeln warten mit einem frischen Programm auf.

Foto: Eva Münsinger


 

Feiner Spott statt verbaler Kraftmeierei

SPD-Aschermittwoch mit den "Mehlprimeln" lockt viele Pullacher ins "Rabenbeisl"

Von Jürgen Wolfram

                                  Foto: Angelika Bardehle

Musikalisch-kabarettistische Unterhaltung statt politischer Holzerei: Die Pullacher SPD präsentierte am Aschermittwoch im "Rabenbeisl" mit starker Resonanz die "Mehlprimeln". Fast 80 Zuschauer drängten sich rund um die kleine Bühne.

 

Pullach • Ein Seitenhieb auf die örtliche CSU, deren Veranstaltungen neuerdings mangels Resonanz ausfielen, eine Verbeugung der Künstler vor der „letzten Gilde“ einer schwindsüchtigen SPD und boshafte Anspielungen auf die Fremdsprachenkenntnisse Guido Westerwelles - das war‘s dann schon mit dem garstigen Lied der Politik am Aschermittwoch bei Pullachs SPD. Die etwa 80 Besucher im „Rabenbeisl“ schienen über den Mangel an rhetorischer Rauflust ä la Passau eher erleichtert zu sein. Ihr Beifall für die Hauptakteure des Abends, die „Mehlprimeln“, fiel jedenfalls überaus freundlich aus.

Die „Mehiprimeln“, das sind Reiner und Dietmar Panitz, ein schwäbisch-bayerisches Duo, das seit 35 Jahren in die Kleinkunstszene hinein rankt. Sie können auch politisches Kabarett. Doch Pullach bot ihnen diesmal eher den Nährboden für lyrisch Leichtes, Alltagssatire, bajuwarischen Hintersinn und blanken Nonsens. Seine ironischen Betrachtungen zur Zeit unterlegen die brüderlichen Barden gern mit feiner Saitenmusik. Diese wäre fraglos noch besser zur Geltung gekommen, hätten die Künstler ihre Instrumente vor, statt während des Auftritts gestimmt.

Melancholische Trinkerlieder fürs Gemüt, gute Vorsätze „auf Wasserpolnisch“ für die Lachmuskulatur, skurrile Erlebnisse aus dem Nahverkehrsgeschehen zum allgemeinen Nachvollzug - wo immer die „Mehlprimeln“ Wurzeln schlagen, verbreiten sie den Spaß der Wechselbäder. Dabei fällt kaum ins Gewicht, dass mancher Sketch oder Kalauer nicht eben taufrisch daher kommt. Winzer, die statt „Glück auf“ lieber „Glykol“ wünschen? Sonnenkollektoren an den Ohren? Sollten die "Mehiprimeln“ beim nächsten Jäten besser nicht übersehen.

Zu großer Form laufen die Panitz-Brüder auf, wo immer sie sich in ein Thema minutenlang hinein steigern. Auf den Internet-Wahn (,‚Wer ISDN nicht kennt, hat sein Leben schon verpennt“) und den unsterblichen Fitness-Tick der Senioren stimmen sie großartige Spottgesänge an. Ein Schmunzeln entlockt dem Publikum ihre minimalistische „Volksmusik für Jugendliche“ in der Pose cooler Rockstars. Noch gelungener die Parodie auf den Hobbykoch, der sich zwischen seinen Töpfen heillos betrinkt. Nicht eben Frischkost, aber immer wieder ein Genuss.

Das hätte Darwin nicht gedacht: dass sich als robusteste Art der Pleitegeier durchsetzt, Top-Manager in anonymen Verbänden untertauchen und Ikea langfristig der einzige Ort sein wird, „wo die Krise keinen Zutritt hat“. Hübsch zusammen gesponnen solche „Mehlprimel“-Szenarien. Auch Lebensweisheiten treiben bei diesem kabarettistischen Gewächs ihre Blüten: „Rühr‘ nie ein Gewehr an, sonst wirst du nicht alt / Studier‘ Informatik, und meide den Wald.“ Die Jagd also ist schon mal keine Option. Am Aschermittwoch-Kabarett festzuhalten aber schon - für die Pullacher SPD.


 

Mit Pointen gegen den Zeitgeist

Viel Beifall im Stadeltheater für das neue „Mehlprimel“.-Programm

Von unserem Mitarbeiter Erich Pawlu Lauingen

 

„Die Mehiprimeln gehören zu den wild wachsenden Schlüsseiblumen auf den Moorwiesen Mitteleuropas. Sie sind geschützt, besonders die bunt blühenden Arten. „Vielleicht erklärt diese naturkundliche Auskunft die zähe Vitalität, mit der die ‚Mehiprimeln‘ Reiner und Dietmar Panitz seit mehr als dreißig Jahren kabarettistische Glanzlichter auf die Moore und Sümpfe der Gesellschaft setzen.

 

Gegenwärtig lassen sie ihre Pointen im Lauinger Stadeltheater krachen. Die Naturtalente aus dem Zusamtal, die in Kaisheim eine Kultstätte für Kleinkunst betreiben, wirken unverwelkt wie eh und je. Wie Don Quixote reiten sie mit groteskem Elan gegen die riesigen Ungeheuer unserer Zeit an. Das neue Programm „M@ilprimeln“ attackiert die Absurditäten der Internet-Nutzung, erläutert die Auswirkungen der demographischen Katastrophe und des Lebens im Stau. Mit ihrer Natürlichkeit wirken Reiner und Dietmar Panitz wie letzte Widerstandskämpfer der Truppe Vernunft gegen die übermächtigen Streitkräfte der Blödsinnigkeit.

Und diese Auseinandersetzung hat Niveau. Das „Mehlprimel“-Duo beherrscht spielerisch alle Äußerungsformen der großen Kleinkunst. Grundsätzlich verknüpfen die gut gelaunten Brüder ihren lausbubenhaften Hang zum Übermut mit einem Schuss Melancholie. Das wirkt. Sie singen und rezitieren, dialogisieren und monologisieren, schlüpfen in fremde Identitäten und erweisen sich als grandiose. Instrumentalisten. Mit Harfe und Gitarre, mit Flügelhorn und Klarinette, mit Ukulele und Hackbrett schaffen sie das zumeist spaßige, manchmal auch lyrische Kolorit für ihre Weltbetrachtungen. Immer wieder unternehmen sie musikalische Ausflüge in die Reiche historischer Kompositionen und der Volksmusik.

 

Literarisches Kabarett

 

Im Gegensatz zu den groben Spaßabenden rheinischer Karnevalsgesellschaften präsentieren die „Mehlprimeln“ ein literarisches Kabarett. Eigene Texte mit vielen Anspielungen auf örtliche Kuriositäten lösten beim Auftritt am vergangenen Sonntag besonderen Jubel aus. Aber Reiner und Dietmar Panitz führen ihr Publikum auch zu literarischen Entdeckungen. Fritz Grasshoffs Urwaldlied (,‚Tief im Urwald Brasiliano / Auf Plantage von Banano / Wohnen Signor Don Juano / Mit sein Schatz. Oh!“), Robert Gernhardts Alpenliedversuch (,‚Ich schrieb so gern ein Berggedicht / mit Pauken und Trompeten“), einpaar Zeilen von Tucholsky und aus dem Gedicht „Killer Rebhuhn“ von Christian Maintz ( „Rühr nie ein Gewehr an, / sonst wirst du nicht alt. / Studier Informatik / und meide den Wald. ‘,) sowie Parodien auf Erfolgssongs belegen die Absicht der Panitz-Brüder, Witz an die Stelle von Witzen und Geist an die Stelle von Kalauern zu setzen. Das gelingt mit oftmals hintergründigem Humor. Wenn den „Medocino-Lyrics“ „We used to walk through the park / Make love along the way in Mendocino“ eine dialektanalytische „Mehlprimel“-Saga vom Gülle-Transport in Langenneufnach aufgesetzt wird, genießt jeder Zuhörer die Freude des Wiedererkennens. Eine andere Art von Freude vermittelt in dem von Frost umgebenen Stadeltheater das „Lob des Winters“ von Johann Christian Günther: „Der Zunder innerlicher Triebe / Verlacht des Frostes Grausamkeit; / Das Morgenrot bricht später an, / Damit man länger küssen kann.“

„Das Einzige, was der kleine Mann heute noch anlegen kann, sind seine Ohren.“ Solche „Mehlprimel“-Sentenzen beleuchten die ideologiefreie Gesellschaftskritik des Programms. Der Pearcing-Wahn, die Spartengottesdienste zur Aktivierung passiver Christen, die üblichen Kreuzfahrt-Träume, der Außenminister auf dem Schleudersitz — alle diese Bestandsaufnahmen bundesdeutscher Wirklichkeit basieren auf der schwäbischen Fähigkeit, den Trends der Zeit mit Besonnenheit zu begegnen. Nur ganz selten träumen die Panitz-Brüder von einem Leben jenseits schwäbischer Grenzen - so etwa mit dem Text „Ich will bei den Zypressen sein“.


 

Akrobatisch komisch

Neuburger Rundschau vom 23.03.2009

                                                                    Von Elke Böcke 

ALFA

Neuburg, Mehr als 30 Jahre Bühnenerfahrung und das ohne jegliche Abnutzungserscheinung: DIe „Mehlprimeln“ aus Kaisheim stehen für exzellentes Kabarett, für leichte und gleichzeitig intelligente Unterhaltung. So ergötzten sich die Gäste des Neuburger Stadttheaters an der humorvoller, eigenwilliger Weltsicht dieser beiden geistreichen Musiker und deren feinsinnigem Programm „Wie treibt man - so geht man“.

 

Der Titel ist ein „Wasserpolnischer Neujahrswunsch“, der die jeweilige Eigenverantwortung des Einzelnen beschwört. Er steht für das Programm: Skurril und gleichzeitig klug, ein bisschen leichtfüßig und dabei philosophisch - ganz so wie Dietmar und Reiner Panitz, die nicht nur schmunzelnd die Welt beobachten, sondern auch höchst beeindruckend Musik machen. Dabei begeistert Reiner Panitz an Gitarre, Harfe und Hackbrett genauso wie in den sympathischen Dialogen mit seinem Bruder Dietmar.

Das Repertoire der beiden reicht vom makabren „Zwieback im Biwak“ bis zum melancholischen Tischlied von Carl Michael Bellmann. Zum Mitsingen lädt Kreißlers „Mein Weib will mich verlassen, Gott sei Dank...“ ein und der „Volksmusikkurs für Jugendliche“ ist akrobatisch komisch. Mühelos scheinen die beiden Künstler zu wechseln zwischen ihrem bewährten Liedgut, das einfach Freude macht, und der Analyse aktueller Entwicklungen wie Wirtschaftskrise und Energieproblematik. Ihr Blick schweift dabei ironisch über „kochschinkenfarbene Radlerhosen“ an Rentnerbeinen und den Ikeaparkplatz als den Ort an dem die „Ökomutter“ genauso glücklich ist, wie ihre BWL studierende Tochter.

Die Mehlprimeln warnen vor Jugendkult und Rentnerrudeln und machen sich Gedanken über die Entwicklung der Deutschen Bahn. Ihr Mensch der Zukunft wird mit seiner Festplatte begraben und zu Ehren von Darwin sprechen sie ein kleines Evolutionsgebet, wonach nur die „Verwandtschaft zum Schwein bewiesen“ scheint. Doch die Konsequenzen muss dann jeder selbst tragen - ganz wie es ihn getrieben hat.


 

Mit der Festplatte ins Grab

AZ vom Freitag, 17.Juli 2009

                               Foto: Dieter Erber
Beim „Volksmusikkurs für Jugendliche zeigten Reiner (links)und Dietmar (rechts) Panitz
komische und sogar akrobatische Einlagen.

 

Kabarett: Die Mehlprimeln begeistern beim Pfarrfest in Nordendorf.

 

Zum Auftakt des Pfarrfestes in Nordendorf präsentierte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Petra Geisenberger als kulturelles Highlight die Mehlprimeln - alias Dietmar und Reiner Panitz. Im voll besetzten Festzelt zeigten die beiden ihr neues Programm „Wie treibt man - so geht man“ und boten dabei einen brillanten, pointenreichen Abend. Die Gäste des Nordendorfer Pfarrfestes erfreuten sich an der humorvollen, eigenwilligen Weitsicht der beiden geistreichen Musiker.

Der Titel des Programms beschwört die jeweilige Eigenverantwortung des Einzelnen. Er steht für das Programm: skurril und gleichzeitig klug, ein bisschen leichtfüßig und dabei philosophisch - ganz so wie Dietmar und Reiner Panitz, die nicht nur schmunzelnd die Welt beobachten, sondern auch höchst beeindruckend Musik machen. Dabei begeisterte Reiner Panitz an Gitarre, Harfe und Hackbrett genauso wie in den sympathischen Dialogen mit seinem Bruder Dietmar.

 

Die Saga vom Gülle-Transport in Langenneufnach

 

Das Repertoire der beiden reichte vom makabren „Zwieback im Biwak“ bis zum melancholischen Tischlied von Carl Michael Bellman. Besonders beim Gesang zu "Mein Weib will mich verlassen, Gott sei Dank...“ hatten die Künstler die Lacher auf ihrer Seite. Beim „Volksmusikkurs für Jugendliche“ begeisterten die beiden Brüder mit komischen, akrobatischen Einlagen.

Mühelos schienen sie zu wechseln zwischen ihrem bewährten Liedgut, das einfach Freude macht, und der Analyse aktueller Entwicklungen wie Wirtschaftskrise und Energieproblematik. Ihr Blick schweifte dabei ironisch über „Kochschinkenfarbene Radlerhosen“ an Rentnerbeinen und dem Ikea-Parkplatz als den Ort, an dem die „Ökomutter“ genauso glücklich ist wie ihre BWL studierende Tochter.

Parodien auf Erfolgssongs belegten die Absicht der Panitz-Brüder, Witz an die Stelle von Witzen und Geist an die Stelle von Kalauern zu setzen. Das gelang mit oftmals hintergründigem Humor. Als dann die Panitz-Brüder dem bekannten „Mendocino-Song“ eine dialektanalytische „Mehlprimel-Saga“ vom Gülle-Transport in Langenneufnach aufsetzten, genoss jeder Zuhörer die Freude des Wiedererkennens und klatschte vor Begeisterung im Takt.

„Das Einzige, was der kleine Mann heute noch anlegen kann, sind seine Ohren.“ Solche Mehlprimel-Sentenzen beleuchteten die ideologiefreie Gesellschaftskritik des Programms. Die Mehlprimeln warnten vor Jugendkult und machten sich Gedanken über die Entwicklung der Deutschen Bahn.

Ihr Mensch der Zukunft wird mit seiner Festplatte begraben, und zu Ehren von Darwin sprachen sie ein kleines Evolutionsgebet, wonach nur die „Verwandtschaft zum Schwein bewiesen“ scheint. Doch die Konsequenzen muss dann jeder selbst tragen - ganz wie es ihn getrieben hat.